"Claudias Landküche" im Bayer. Rundfunk

"Wir in Bayern" be-
kommt mit Claudia
eine neue Köchin. Ca.
alle 4 Wochen wird sie
12 min. spannende Gerichte kochen. 

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Claudia bei der Landfrauenküche

Claudia und Hafning in
der Landfrauenküche
des Bayerischen
Fernsehens.

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Der Weg zurück nach vorn

Landwirtschaft ohne Chemie

 

Seit Familiengedenken wurde dieser Hof landwirtschaftlich genutzt. Mehrere hundert Jahre ökologisch, im zwanzigsten Jahrhundert rund 50 Jahre konventionell und nun wieder ökologisch. 

Der Grund für die damalige Änderung der Wirtschaftsweise war die Erhöhung der Erträge. Diese Menge ist in den Industrienationen nun allerdings nicht mehr das Problem. Im Gegenteil: in der Marktwirtschaft bestimmt die angebotene Menge den Preis. Ist sie, wie für konventionell erzeugte Lebensmittel zu hoch, sinkt der Preis. Mit den heute für konventionelle Produkte zu niedrigen Preisen müssen nun viele Landwirte kämpfen und dadurch auch oft Entscheidungen treffen, die der Umwelt nicht zuträglich sind. 

Diesen Weg wollten wir nicht gehen und sahen einen Ausweg für uns in der Produktion von Bio-Lebensmitteln. Ein großer Beweggrund für die Umstellung unseres Hofes auf eine ökologische Bewirtschaftung war dabei unsere Sorge um die Lebensgrundlage der zukünftigen Generationen.

 

Mitentscheidend für diese erneute Änderung der Wirtschaftsweise war aber auch die Erkrankung von Stefan Fenzel an MCS, einer vielfachen Chemikalienunverträglichkeit, ausgelöst durch eine Schwermetall- und eine Lösemittelvergiftung. Bereits geringste flüchtige Mengen aus Chemikalien wie z.B. Rasierwassern, Shampoos, Lacken oder Pestiziden lösen bei ihm allergische Reaktionen aus, die ihn gezwungen haben, seinen bisherigen Beruf aufzugeben und auch Landwirt zu werden. Dass bereits solch unvorstellbar kleine Mengen an Chemikalien Wirkungen auslösen, brachte ihn zu der Entscheidung, keine Chemikalien mehr auf Felder ausbringen zu wollen.

 

Ökologie beschreibt die Wechselbeziehungen zwischen Lebewesen und natürlicher Umwelt. Und so versuchen wir möglichst sorgsam und nachhaltig mit unserer Umwelt umzugehen. Unser Ziel ist es dabei, unser Stückchen Erde so zu verlassen, wie wir es anvertraut bekommen haben. Und wenn es uns glückt, noch ein wenig besser. Dabei ist noch nicht alles perfekt, aber wir versuchen es Schritt für Schritt zu verbessern.

 

Das versuchen wir mit den unterschiedlichsten Maßnahmen, wie zum Beispiel:

- ökologische Bewirtschaftung unserer Felder und Wälder (ca. 100 Hektar)
- Verzicht auf sämtliche Chemikalien bei der Bewirtschaftung 
- unsere beiden Höfe werden zu 100 % mit Strom aus regenerativen Quellen versorgt. 
- darüberhinaus produzieren Photovoltaikanlagen auf unseren Dächern Strom für unseren Eigenverbrauch und zur Einspeisung ins Netz (insgesamt mehr als wir benötigen). 
- Ausstattung unserer Altgebäude mit neuen Fenstern und Isolierung der Dächer, 
- Beheizung der Gebäude mit Hackschnitzeln aus dem Restholz unserer Wälder, 
- nachhaltige Forstwirtschaft: wir schlagen durchschnittlich weniger Holz ein als jedes Jahr nachwächst,
- unsere Tiere befinden sich im Frühjahr, Sommer und Herbst auf großen Weiden und können auch im Winter ins Freie

 

Wie in den Medien gerade öfter zu hören, rülpsen aber auch unsere Kühe Methangas. Dabei ist Methan 25mal schädlicher als CO2. Um es aber in ein Verhältnis zu setzen: dieses Methangas macht etwa 2% der Treibhausgase in Deutschland aus. Die effektivste Verringerung dieser 2% könnte also durch die Reduzierung des Viehbesatzes auf den landwirtschaftlichen Flächen erreicht werden. Dazu leisten wir einen guten Beitrag: denn wir halten heute im Durchschnitt etwa 30% weniger Tiere auf einem Hektar Land als vor unserer Öko-Umstellung und als die deutschen Viehhalter im Durchschnitt.

 

Zum anderen sind wir der Meinung: lieber ein gutes Stück Fleisch und dafür ein wenig seltener. Vielleicht so viel Fleisch, wie man jagen könnte? Daran wäre der Mensch zumindest seit Jahrtausenden gewöhnt. Wir halten die Erhöhung des Fleischkonsums um rund 130% seit 1950 auf jeden Fall für nicht gesund - für Mensch, Tier und unsere Welt. Und produzieren gutes Rindfleisch nachhaltig für einen bewussten Genuss und eine ausgewogene Ernährung. 

 

Wir verzichten wie alle ökologischen Betriebe auf Kunstdünger. 
Dieser enthält nämlich im Phosphat das radioaktive und toxische Schwermetall Uran und verunreinigt über die Ausbringung auf den Flächen das Grundwasser. Er enthält aber auch Lachgas und das ist rund 300mal schädlicher als CO2. Die konventionelle Landwirtschaft trägt mit der Ausbringung von Kunstdünger in erheblichem Anteil an der Freisetzung von Lachgas in die Atmosphäre bei (70%) und erhöht damit den Beitrag der Landwirtschaft zu den Treibhausgasen insgesamt etwa auf das Dreifache (6,7%). 

Würde man also die Landwirtschaft auf ökologischen Landbau umstellen, könnte man den Beitrag der Landwirtschaft zu den klimaschädlichen Treibhausgasen um 70% reduzieren. Da benötigt es keine Gasmasken für Kühe oder die artfremde ausschließliche Haltung von Rindern in Ställen mit Absaugeanlagen...

Unsere Rinder werden zu 93% auf Grünland gehalten und fressen dabei Gras, das keinen Kunstdünger gesehen hat. Dieses dauerbegrünte Land speichert dabei große Mengen an Kohlenstoff, und damit auch CO2: nicht nur in den oberflächlichen Graspflanzen, sondern vor allem im Boden. 
Dabei fördert nachhaltige Beweidung die Humusbildung. Und jede Tonne zusätzlicher Humus im Boden entlastet die Atmosphäre um mehr als 1,8 Tonnen CO2. Gleichzeitig ist dieser Humus Garant der Bodenfruchtbarkeit.

 

Auch mit der nachhaltigen Bewirtschaftung unseres Waldes versuchen wir zur Verbesserung der CO2-Bilanz beizutragen: er speichert pro Jahr etwa 390 Tonnen CO2. 

 

Neudeutsch benennt man ja die Auswirkungen seines Verhaltens den "ökologischen Fußabdruck". Einfach gesagt: sieht die Erde nach unserem Leben genauso aus, wie davor? Leider kann man das zur Zeit für uns Menschen nicht behaupten. Es scheint, als reduzierten wir unsere Lebensgrundlagen jeden Tag ein Stückchen: Trinkwasser und Essen enthalten immer mehr bedenkliche Stoffe, die Humusbildung nimmt ab, die Erosion zu. Wir leben wohl nicht mehr im Einklang mit der uns ernährenden Natur. Und genau das möchten wir für unseren Hof verändern.